nachtgedanken

wie stürmisch ist das meer der gleichgültigkeit!
[ stanislaw jerzy lec * 6. März 1909 † 7. Mai 1966 – polnischer lyriker, aphorismen ]

ich denke oft immer noch sehr naiv, das endet dann in der folgenlosigkeit und kann schmerzen in allen regionen des leibes und des gemüts verursachen.

am anfang war es melancholie, später traurigkeit, noch später schwermut zugleich, irgendwann die erste depression, nicht zu erkennen, was ursache und was wirkung war. wegen eines augenblicks das lebensgefühl verlieren.

weitere jahre. was alles zuvor und danach zugleich passiere, sich verselbständige, wo der film nicht zu stoppen sei. ein rauschen erzeuge, zwar leis, doch nicht abschaltbar. in der endlosschleife ablaufend.

ein traumatisches erlebnis, ein unfall oder schock, kann erst diagnostiziert, behandelt und therapiert werden, wenn vertraute personen sich kümmern und der patient seine prekäre lage allmählich zeitversetzt bewußt erinnere.

etwas völlig anderes verbindet menschen in gefahr und großer not, man hilft sich nämlich gegenseitig, um nicht damit alleingelassen zu sein, spült alle fremdheit und vorurteile fort mit einem glas kühlen, klaren wassers.

ich denke gern, lieber jedenfalls als irgendein sinnloses bedürfnis nach dingen zu haben, die ich nicht brauche, etwa ein abonnement für eine sorglosere zukunft, zur einstellung zum leben – im allgemeinen wie im besonderen?

einen augenblick lang habe ich die kehrseite des glücks erkannt, das glück halten zu wollen, kann traurig enden und viel länger dauern, als ein einzigartiger augenblick gedankenfreiheit – die seele baumeln lassen.

einfach nur gedankenlos sein? wie geht das? wie läuft das? wie endet das? wo passiert es? wie spürt man das? wann merkt man es? worüber wird geredet? mit wem? was wird gesagt? was verschwiegen? wie kann es gelingen, nicht einmal, sondern immer wieder neu anzufangen? der bedenkliche zustand: sich ein update und die defragmentierung der synapsen gönnen, weil im lauf der zeiten grosse lücken entstanden, einst wichtige erfahrungen völlig nutzlos geworden sind.

naheliegende einsicht, alles sei nur ein ereignis der synchronizität? wenn zwei an verschiedenen orten, zu verschiedenen zeiten losfahren und doch genau zum gleichen augenblick eintreffen, einen unfall verursachen. zufall?

kann mich im nachhinein nicht des eindrucks entledigen, daß es so oder so hat kommen müssen, wenn ich wieder mal zu naiv war, mich zu verlieben – einen ZUFALL mag ich es nicht nennen, denn es IST schön, verliebt zu sein – bis es traurig endet.

schrieb 1996 den satz: kein wort mehr über wörter – das jahrelange schreiben zu beenden. gedruckt auf papier, an einem dünnen draht hängt es im flur, bewegt sich bei geöffneter tür leicht im luftzug.

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