DER WEGWERFER

HEINRICH BÖLL Schriftsteller * 21. Dezember 1917 † 16. Juli 1985

zahlreiche objekte warten darauf, von mir ausgepackt zu werden, viele zettel harren der auswertung; grüne, rote, blaue tusche, alles steht bereit. es wird meistens spät, bis ich ins bett komme, und wenn ich einschlafe, verfolgen mich meine formeln, rollen ganze welten nutzlosen papiers über mich hin; manche formeln explodieren wie dynamit, das geräusch der explosion klingt wie ein großes lachen: es ist mein eigenes, das lachen über den schlieffen-witz, das meiner angst vor dem verwaltungsbeamten entspringt. vielleicht hat er zutritt zur lochkartenkartei, hat meine karte herausgesucht, festgestellt, daß sie nicht nur das merkmal für >geisteskrank<, sondern auch das zweite, gefährlichere für >asozial< hält. nichts ist ja schwerer zu stopfen als solch ein winziges loch in einer lochkarte; möglicherweise ist mein lachen über den schlieffen-witz der preis für meine anonymität. ich würde nicht gern mündlich bekennen, daß ich ein wegwerfer bin.

doktor murkes gesammeltes schweigen

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