ballade von der unzulänglichkeit…

es folgen im beitrag weitere videos zur DREI-GROSCHEN-OPER und dazwischen in der playlist auch andere youtube-videos, gute songs. am pc/tablet können in der playlist jederzeit andere gewählt werden.

In der Zeit der heftigen politischen, sozialen und künstlerischen Wirren und Gärungen der zwanziger Jahre schlug die Uraufführung der ,,Drei-Groschen-Oper“ am 28. August 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin wie eine Bombe ein. Hier war etwas auf die Bühne gebracht worden, was auch den letzten Zuhörer aufrüttelte. Schon lange beschränkte sich das ,,Lumpenproletariat“ nicht mehr auf die muffigen Hinterhöfe, in die es die Bourgeoisie einstmals verdammt hatte, aber immer noch war man bemüht gewesen, über die Existenz der Dirnen, Bettler und Tagediebe, der Verbitterten und Heruntergekommenen hinwegzusehen. Nun war dieser fadenscheinige Vorhang von Brecht und Weill unbarmherzig heruntergerissen worden.
Die Gesinnungsgenossen Bert Brecht und Kurt Weill räumten auf mit den ihrer Ansicht nach überholten Begriffen der traditionellen Oper und Operette eines zerbrochenen bürgerlichen Zeitalters und schufen – indem sie jene parodierten und damit zugleich umwerteten – eine neue, zutiefst zeitgebundene Form des musikalischen Theaters, eine Form, die sich mit einem Schlage himmelweit von allem bisherigen entfernte und dennoch das breite Publikum auf Anhieb für sich einzunehmen wußte. Bei der Wahl und Gestaltung der ,,Drei-Groschen-Oper“ griffen sie auf die genau 200 Jahre zuvor komponierte »Bettler-Oper“ zurück, eine von Joh. Christof Pepusch geschriebene Parodie auf #>

#-> Händels Oper. Brecht mischte das Überkommene mit Eigenem zu einem grausig-grotesken Spaß von hintergründigem Pessimismus und sozialer Anklage, während Weill – von einer Ausnahme abgesehen – keinerlei musikalische Anleihen machte und seine ,,Songs“ als eine Mischung aus Jazz, Gassenhauer und karikierender Opern- bzw. Operettenparodie komponierte. Diese Songs sind nicht für Sänger, sondern für Schauspieler geschrieben, und es kommt dem Musiker Weill beileibe nicht darauf an, daß sie ,schön“ im üblichen Sinne des Wortes gesungen werden, sondern dem Milieu entsprechend wahr, echt und glaubwürdig. Und gerade dieser Art des Musizierens, dieser Art der einfachen, schlichten Textbehandlung verdankt die ,,Drei-Groschen-Oper“ ihren geradezu aufsehenerregenden Siegeszug über alle deutschen und ausländischen Bühnen.
Inzwischen haben sich die Zeiten und mit ihnen die Anschauungen gewandelt. Das Alarmierende des Werkes hat sich verloren oder doch abgeschliffen. Die Atmosphäre der zwanziger Jahre läßt sich heute nicht mehr einfangen. Sie war einmalig in ihrer Art. Und darum hat die vorliegende, über alle Verbote und Säuberungsaktionen vergangener Machthaber hinübergerettete Schallplattenaufnahme mit der Originalbesetzung des Theaters am Schiffbauerdamm einen unschätzbaren dokumentarischen Wert. [ text vom cover ] Aufgenommen im Dezember 1930

eine meiner ältesten schallpaltten ( 33er ), für mich nach wie vor wichtigstes hörerlebnis. nach mehr als 50 jahren endlos gehört, trotz kleiner kratzer ( spuren im lauf der zeit ) immer noch gut hörbar. meine faszination altert nicht.

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